rw bauphysik ingenieurgesellschaft mbh & Co. KG | beratende ingenieure
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Geräuscharme Nachtlogistik – neue Erkenntnisse aus NRW und internationale Perspektiven

Die nächtliche Warenbelieferung innerstädtischer Räume gilt als vielversprechender Ansatz, um Tagesverkehre zu entlasten, Emissionen zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität in Städten zu verbessern. Gleichzeitig stellt sie hohe Anforderungen an den Schallschutz und die Prognosesicherheit. 

Aktuelle Forschungsarbeiten (s. z.B. hier, Projekt »Mobilitätsstudie ›Geräuscharme Logistik‹ des Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik) zur geräuscharmen Nachtlogistik in NRW, liefern hierzu wertvolle neue Erkenntnisse. Im Fokus der Untersuchungen stehen reale Messergebnisse aus Pilotanwendungen. Betrachtet werden typische Lärmquellen der Nachtlogistik: Fahrgeräusche, Be- und Entladevorgänge, Flurförderzeuge sowie Kühlaggregate. Die Messungen zeigen, dass durch gezielte technische und organisatorische Maßnahmen deutliche Pegelminderungen erreichbar sind – teilweise bis unterhalb der üblichen nächtlichen Im-  missionsrichtwerte.

Besonders relevant für den Immissionsschutz in der Planungs- und Genehmigungspraxis ist der Vergleich zwischen Messung und Prognose. Es wird deutlich, dass konventionelle Prognoseansätze nächtliche Einzelereignisse und ton- bzw. impulshaltige Geräusche häufig nur unzureichend abbilden. Die Forschungsarbeiten zeigen Ansätze auf, wie Prognosemodelle weiterentwickelt und realitätsnäher gestaltet werden können – ein wichtiger Baustein für Genehmigungsverfahren und schalltechnische Gutachten.

Ein Blick in die Praxis der Niederlande verdeutlicht, dass geräuscharme Nachtlogistik dort bereits deutlich weiter verbreitet ist. In vielen Städten kommen PIEK-zertifizierte Fahrzeuge, leise Flurförderzeuge sowie speziell entwickelte Kühlaggregate zum Einsatz, die für den Nachtbetrieb optimiert sind. Besonders interessant sind dabei unter dem Lkw montierte Kühlgeräte, die gegenüber herkömmlichen Aufbauten deutlich geringere Schallemissionen aufweisen und somit neue Spielräume für lärmsensible Umgebungen eröffnen.

Für Bauphysiker, Architekten und Stadtplaner ergibt sich daraus ein klares Fazit: Geräuscharme Nachtlogistik ist technisch machbar, erfordert jedoch eine enge Verzahnung von Planung, Prognose, Messung und internationalem Know-how. Die aktuellen Forschungsergebnisse aus NRW liefern hierfür eine fundierte Grundlage – und eröffnen neue Perspektiven für die nachhaltige Stadtlogistik der Zukunft.