Wenn ein Projekt für einen renommierten Innenarchitekturpreis nominiert wird, steht meist die gestalterische Qualität im Mittelpunkt. Doch hinter überzeugender Innenarchitektur steckt immer auch präzise technische Planung. Ein aktuelles Beispiel ist der nominierte Porsche Tunnelclub in der MHP Arena Stuttgart. Für uns bei rw bauphysik sind solche Projekte besonders interessant, weil sie zeigen, wie eng Architektur, Nutzungskomfort und Bauphysik zusammenhängen.
Im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Haupttribüne der Mercedes-Benz Arena Stuttgart hat rw bauphysik unter anderem den schalltechnischen Nachweis nach DIN 4109 für die Außenbauteile erbracht. Die besondere Herausforderung lag in der Lage des Gebäudes: Verkehr auf der Mercedesstraße, Stadionumfeld und veranstaltungsbedingte Geräusche führen zu einem akustisch anspruchsvollen Umfeld.
Um die tatsächliche Lärmbelastung belastbar zu erfassen, wurde der maßgebliche Außenlärmpegel nicht nur rechnerisch bestimmt, sondern im Rahmen einer einwöchigen Dauermessung direkt vor Ort ermittelt. Für die geplante Pfosten-Riegel-Fassade ergab sich dabei ein maßgeblicher Außenlärmpegel von 64 dB(A).
Auf dieser Grundlage konnte die erforderliche Schalldämmung für die betroffenen Nutzungen, unter anderem Büro- und Konferenzbereiche, gezielt festgelegt werden. Das Ergebnis: Die Anforderungen ließen sich mit handelsüblichen Isolierverglasungen beziehungsweise zeitgemäßen Pfosten-Riegel-Fassaden erfüllen – ohne dass besondere Schallschutzverglasungen erforderlich waren.
Ergänzend zum Schallschutz nach außen war die Raumakustik im Tunnel Club ein weiterer zentraler Baustein unserer Arbeit. Gerade in einem exklusiven Bereich, in dem sich bis zu 200 Gäste in loungeartiger Atmosphäre aufhalten, treffen hohe architektonische Ansprüche auf komplexe raumakustische Anforderungen. Durch eine detaillierte Planung und ergänzende Nachhallzeitmessungen vor Ort haben wir die Raumakustik gezielt optimiert. So ließ sich die Nachhallzeit trotz anspruchsvoller Raumgeometrien effektiv regulieren, um eine hohe Sprachverständlichkeit und ein durchgehend angenehmes akustisches Klima zu gewährleisten.
Solche Projekte machen deutlich, dass sich gelungene Innenarchitektur und fundierte bauphysikalische Planung im besten Fall gegenseitig stärken. Ob der nominierte Raum am Ende auch die Jury überzeugt, ist noch offen – dass hinter der Gestaltung auch technisch überzeugende Lösungen stehen, ist hingegen schon jetzt klar.